Jürgen Reichen zu Gast in der Schule
Jürgen Reichen zu Gast in der Freie Schule Seligenstadt - Lesen ist die Schlüsselqualifikation für die Zukunft
Ausgehend von der aktuellen PISA-Studie entfaltete Dr. Jürgen Reichen, Entwickler der Leselernmethode „Lesen durch Schreiben“, dass neben allen weichen Faktoren wie Teamfähigkeit oder Methodenkompetenz vor allem das Lesen selbst die zentrale Schlüsselqualifikation für die Zukunft sei. Reichen hielt einen Vortrag vor mehr als 100 Gästen in der Freie Schule Seligenstadt, die in diesem Jahr ihren 10. Geburtstag feiert und dazu eine Vortragsreihe mit hochkarätigen Referenten organisiert hat.
PISA habe es an den Tag gebracht, deutsche Kinder können zwar gut vorlesen, aber nicht Sinn entnehmend lesen. Schon in den 70er Jahren hatte Reichen erkannt, dass die hergebrachte Methode, Lesen über das Lernen von Buchstaben und Wörter zu unterrichten, nicht funktioniert.
Reichen stellte fest, dass man zwar die Schreibfertigkeit erklären, üben und erlernen kann, dass aber auch Hirnforscher bisher nicht klären konnten, wie Sinn entnehmendes Lesen überhaupt funktioniert. Das meiste am Lesenlernen sei nämlich unbewusst. Die Vorform vom Lesen sei das Schreiben – und so lernen die Kinder mit der Methode „Lesen durch Schreiben“ zunächst das Schreiben und dann – quasi automatisch – das Lesen. Bei einem kleinen Versuch konnten sich die Gäste von der Methode anhand einer Anlauttabelle überzeugen.
Das wesentliche sei, führte Reichen in seinem Vortrag aus, dass das Schreib-/ Leselernen in eine offene Atmosphäre und mit viel Flexibilität gegenüber dem Einzelnen eingebunden sei. Der sog. „Werkstattunterricht“ sowie die Möglichkeit zu implizitem (d.h. unbewusstem) und inzidentiellem (d.h. anlassbezogenem) Lernen müsse den Rahmen dazu schaffen.
Die Freie Schule Seligenstadt wendet diese Methode seit ihrer Gründung an und hat damit sehr gute Lernerfolge. Im Regelfall können die Kinder bereits nach einem halben Jahr Sinn entnehmend lesen – ohne es bewusst gelernt zu haben.
In der abschließenden Fragerunde ermutigte Reichen die Eltern und Lehrer, die Kinder in ihrem Leselernprozess keinesfalls zu stören, indem sie Druck ausüben oder ungeduldig werden. Denn solche Kinder fallen i.d.R. „in den alten Modus“ zurück, d.h. sie rückübersetzen die Buchstaben und lesen vor, ohne den Sinn erfassen zu können.
Der nächste Termin in der Freie Schule Seligenstadt ist der erste Informationsabend für die Einschulung 2009. Durch die Einführung der Eingangsstufe richtet sich die Einladung besonders an die Eltern der Jahrgänge 2003/2004. Der Infoabend beginnt am 3.12. um 20.00 Uhr im Bistro der Schule.
Empfehlenswert ist das Buch von Jürgen Reichen: "Hannah hat Kino im Kopf", das die beschriebene Methode zum Thema hat.

