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Vortrag "Die Bedeutung von Zugehörigkeit und Ermutigung in der Erziehung"

Femmi Walscheid wirbt für Ermutigung in der Erziehung.


Anlässlich eines Vortrags warb die Individualpsychologin Femmi Walscheid van Dijk (Aschaffenburg) vor zahlreichen Gästen in der Freie Schule Seligenstadt für einen durch Annahme und Ermutigung geprägten Erziehungsstil.

Walscheid sagte eingangs, dass „alle, die hier sind, gute Eltern sind“. Doch weil alle auch Produkt ihrer eigenen Erziehung sind, so drohen auch alle in kritischen Situationen in alte Verhaltensweisen zurückzufallen. Neue Erziehungsmethoden müssen deshalb explizit ausprobiert und geübt werden, damit sie auch unbewusst angewandt werden können.

Dem Begründer der Individualpsychologie Alfred Adler (1870-1937) zufolge gilt die Kindererziehung dann als gelungen, wenn die drei Lebensaufgaben Liebe, Arbeit und Gemeinschaft ausgewogen und zufrieden stellend gelöst wurden. Um das zu ermöglichen, ist das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe, i.d.R. der Familie, von besonderer Bedeutung.

Denn diese Zugehörigkeit, das Gefühl, dazu zu gehören, geborgen und angenommen zu sein, in der Gruppe mitbestimmen zu können, stellt die Basis dafür dar, auf der das Gruppenmitglied selbst Verantwortungsgefühl, Eigeninitiative oder Mitdenken entwickelt.

Das wesentliche Mittel, dem eigenen Kind diese Geborgenheit zu vermitteln, ist die Ermutigung, das Weglassen von Entmutigung. Die berühmten „Immer“- oder „aber“-Sätze, Vergleiche, „Lass mich mal machen“ oder „dafür bist du noch zu klein“ führen nur dazu, dass das Kind keinen Mut und keine Zuversicht auf die eigene Leistungsfähigkeit empfindet, es entmutigt. Dagegen heben Lob, Wertschätzung, Zutrauen, Vertrauen, Geduld, Verzeihen, Anlächeln oder Körperkontakt das Selbstwertgefühl und damit das Gruppenzugehörigkeitsgefühl des Kindes.

Das heißt nicht, dass keine Kritik, keine Verbesserungsvorschläge gemacht werden dürfen, aber: „Es ist wie bei einer Socke, die in Loch hat“, sagte Femmi Walscheid. „Du kannst nicht in der Mitte des Lochs anfangen zu stopfen, sondern Du musst von außen anfangen“. Wir müssen also auf das aufbauen, das mit Lob u.a. verstärken, was schon da ist, was gut klappt – das Gute loben. Der Individualpsychologe Adler sagt sogar, wir müssen nichts von Erziehung verstehen, nur unsere Kinder ermutigen.

Welche positiven Folgen konsequentes Ermutigen haben kann, skizzierte Walscheid in einigen Beispielen und im Gespräch mit dem Auditorium. Und sie war dafür, sich entmutigende Sätze bewusst werden zu lassen und in ermutigende Sätze umzuformen.

 

14.2.2009, TMH