Nachruf: Jürgen Reichen verstorben
Jürgen Reichen, der Begründer des Konzepts "Lesen durch Schreiben" und damit auch Konzeptvater unserer Schule, ist am 19. Oktober letzten Jahres nach schwerer Krankheit verstorben.
Die Freie Schule Seligenstadt hat sich seit ihrer Gründung seinem Konzept zum Erwerb der Lese- und Schreibkompetenz verschrieben, und auch unsere Kinder haben nach dieser Methode lesen und schreiben gelernt. Noch im Sommer haben einige unserer Pädagogen in Leipzig an einem Reichen-Seminar teilgenommen, um diese Methode noch besser umsetzen zu können.
Die Kunst, in einer Wissenschaft Neues anzustoßen, besteht wohl in der Zuspitzung der gewonnen Erkenntnisse. Insofern war Jürgen Reichen nicht unumstritten. Jedoch hat sich seine Beharrlichkeit, die jahrhundertealte Tradition des Lesenlernen mittels Fibel zu überwinden, letztendlich ausgezahlt. Heute wird in vielen Grundschulen mit der Anlauttabelle gearbeitet, aber nicht an allen diesen Schulen steht auch die Idee im Mittelpunkt, den Schülerinnen und Schülern möglichst früh mit der Schrift ein neues Medium der selbstständigen Kommunikation zugänglich zu machen. Diesen Schritt sind unsere Gründerväter und -mütter mit Jürgen Reichen konsequent gegangen und wir alle können uns gut an die ersten Schriftstücke unserer Kinder erinnern.
Viele von uns haben im November 2008 die Gelegenheit genutzt, Jürgen Reichen auch persönlich zu erleben. Damals warb er im Rahmen der Vortragsreihe zum 10-jährigen Jubiläum unserer Schule im damals neu gestalteten Bistro vor über 100 Zuhörern für seine Methode "Lesen durch Schreiben" und bettete sie - gleichsam als Basis aller offenen Lernprozesse - in den Werkstattunterricht ein. Es war ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr, einen unserer "Konzeptväter" persönlich zu erleben.
Wir verdanken Jürgen Reichen mit dem Konzept "Lesen durch Schreiben" sowie dem Ansatz des "Werkstattunterrichts" wesentliche Konzeptbausteine unserer Schule und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Der Vorstand
Text: TMH, 13.1.2010

