OFC-Profi Steffen Haas kickte mit Freie Schule Kindern
Der Mittelfeldspieler der Offenbacher Kickers besuchte die Kinder der Freien Schule Seligenstadt und bestritt nach einer Autogramm- und Fragestunde ein kleines Trainingsspiel
„Wann kommt er endlich?“, lautete die oft gestellte Frage der Kinder der Freien Schule Seligenstadt. Und damit war nicht der Weihnachtsmann gemeint, sondern der für die Offenbacher Kickers spielende Fußballprofi Steffen Haas. Der in Seligenstadt lebende Mittelfeldspieler war spontan bereit die Schule zu besuchen und sich den Fragen der Kinder zu stellen. Doch bevor die Interviewrunde gestartet werden konnte, musste der sympathische 22jährige die nicht enden wollenden Autogrammwünsche der Kinder erfüllen. Mit großer Geduld, freundlichem Nachfragen und großem Autogrammstapel wurde er allen Wünschen gerecht. Auch so mancher Arm und manches Kleidungsstück war nach kurzer Zeit mit seiner Unterschrift verziert.
Als sich die erste Aufregungswelle ob solch eines „echten Fußballers“ gelegt hatte, nahm Steffen Haas auf einer kleinen Bühne Platz und die ca. 30 Kinder im Alter von 5 bis 10 Jahren begannen ohne jede Scheu ihre vorbereiteten Fragen zu stellen. Mit großer Aufmerksamkeit lauschte er den Interviewern und erzählte voller Offenheit von dem bisherigen Verlauf seiner Karriere, die beim Karlsruher SC begann, ihn bei der TSG 1899 Hoffenheim spielen ließ und seit 2006 für den OFC auflaufen lässt. So verriet er auch seinen fußballerischen Traum, nämlich irgendwann mal in Italien zu spielen. Dies rief sofort die Nachfrage hervor, ob er denn nicht auch für Real Madrid spielen würden. „Ja sicher“, antwortete er grinsend, „aber wahrscheinlich nicht mehr in diesem Leben.“
Auf die Frage, wer denn sein Vorbild sei, antwortete er für die Kinder überraschend: „Mein Vater.“ „Ist der denn auch Fußballer?“, wollten die Kinder wissen. „Nein, er arbeitet bei einer Bank.“, war die erstaunliche Antwort.
Auf die Frage, was er sich denn wünsche und das spontane Angebot der Kinder, vielleicht könnten sie ihm ja seinen Wunsch erfüllen, meinte er: „Ich glaube weniger, dass Ihr mir den Wunsch erfüllen könnt. Ich wünsche mir Gesundheit für meine Familie und mich.“ „Das ist kein Problem“, erwiderte ein aufgeweckter Achtjähriger sofort. „Meine Mama ist Apothekerin.“
Die Frage nach dem besten Trainer beantwortete er diplomatisch damit, dass immer der aktuelle Trainer – also Wolfgang Wolf – der Beste sei, er aber auch vom Hoffenheimer Trainer Ralf Rangnick viel gelernt habe.
Haas selbst interessierte sich aber auch für den Aufbau und die Konzeption der Freien Schule Seligenstadt. Etwa die Eingangsstufe, in die bereits Fünfjährige aufgenommen werden, die altersübergreifenden Gruppen sowie die selbstverständliche Inklusion behinderter Kinder. Er selbst habe als Jugendlicher eine vom Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp unterstützte Privatschule besucht, die es ihm ermöglichte mehrere Woche von der Schule abwesend zu sein, um sich seiner sportlichen Ausbildung zu widmen. Ein persönlicher Mentor habe anschließen den Schulstoff mit ihm bearbeitet. So war es ihm möglich sein sportliches Talent auszubauen und dabei sein Abitur zu machen.
Einer seiner schönsten fußballerischen Momente sei das Pokalspiel gegen Borussia Dortmund gewesen, das die Kickers nach Elfmeterschießen gewonnen hatten. Auf die Frage nach seinen Gefühlen, als er damals den ersten Elfmeter verschossen hatte, antwortet er den Kindern ehrlich, dass er enttäuscht war, da er sich so sicher gewesen sei, den Elfer zu verwandeln; anschließend seiner Mannschaft aber noch die Daumen gedrückt habe. Immerhin habe der Herbstmeister der ersten Fußballbundesliga in der Vorrunde nur ein Auswärtsspiel verloren: das gegen die Kickers Offenbach.
Nachdem dem bescheiden auftretenden Spieler noch viele Löcher in den Bauch gefragt worden waren, erfolgte das nächste Highlight: die Freie Schule Seligenstadt bekam ein Original OFC-Trikot der Nummer 18 von Steffen Haas geschenkt, das noch mit einer persönlichen Widmung versehen wurde. Dies löste den sofortigen Wunsch aus, sich ein Spiel vom OFC unter der Beteiligung von Steffen Haas anzuschauen. Und so könnte es sein, dass sich in der Rückrunde ein kleines Freie Schule Buschen auf den Weg zum Bieber Berg machen wird.
Nach soviel Theorie wurde die Praxis eingefordert. Und der große Wunsch der Kinder mit einem echten Profi zu kicken wurde erfüllt. So zogen Pädagogen, Zivis, und der von einer Kindertraube umringte Steffen Haas Richtung Spielplatz am Main. Die freitags übliche Bewegungspause wurde kurzerhand für ein kleines Trainingsspiel genutzt. Trotz der ackermäßigen Verhältnisse und knöchelhohen Schnees ließ sich niemand von einer Kickpartie abhalten. Bei diesen schlechten äußeren Umständen schlug der Mittelfeldspieler spontan vor ihm Frühjahr ein ordentliches Turnier inklusive Pokalverleihung auszurichten. Aufgeregt strahlende Kinderaugen gaben ihm sofort ihr Einverständnis.Nach über 90 Minuten verabschiedete sich der Fußballprofi zum Anfassen, der durch seine höfliche, offenen und den Kindern zugewandte Art einen großen Eindruck hinterlassen hat und sich als erstklassige Vorbild – und Identifikationsfigur für so manche Kinderträume eignet.
Text: Christiane Disser
Foto: Eberhard Bonifer


